Nordish by nature

    Ich bin das, was man wohl Aussteigerin nennt. Aus dem hohen Norden in Berlin gelandet auf der Suche nach dem großen Abenteuer und begeistert von dem Puls dieses Stadt. Firmengründerin, Managerin, Geschäftsführerin einer Holding … dann trat Matilda in mein Leben, ein Tierschutzhund aus Portugal – und alles veränderte sich. Ich musste mich entscheiden, ob ich einen traumatisierten Angsthund wieder abgebe oder für diesen Hund das erforsche, was die Menschen in mir schon als Kind gesehen haben. Intuition? Instinkt? Große Worte. Ich halte es simpel. Erfahrung.

    Ich habe früh in der Nähe großer Hunde sein wollen und habe wunderbare Eltern, die das ermöglicht haben, weil sie wussten, dass ich damit umgehen kann. In der Nähe von Hunden war ich mutig, wollte sie verstehen und sie schützen – hat sich bis heute nicht geändert. Ich habe unzählige Hunde in meinem Leben „studiert“, wollte jeden einzelnen in seinem Wesen erkennen und habe dabei gelernt, wie ein Hund zu denken und zu handeln. Je besser ich darin wurde, umso deutlicher wurde mir bewusst, was ein Hund in unsere Gesellschaft leisten muss. Die Gesellschaft und ihre Einstellung zu Hunden hat sich stark verändert.

    Ich verstehe, was die Menschen bewegt, ich bin studierte Soziologin. Also nutze ich das Wissen um beide Welten und versuche zu vermitteln. Unsere Hunde leben in einer Welt, die sie stark in ihrem natürlichen Verhalten beeinflusst. Ich verurteile das nicht, ich gehöre nicht zu den Menschen, die in unseren Haushunden nur den Wolf-Anteil sehen. Hunde haben sich auch stark weiterentwickelt in der Zusammenarbeit und dem Zusammenleben mit den Menschen. Daher müssen wir ihnen die Möglichkeit geben, sich in unserer Welt zurecht zu finden. Wir müssen ihnen eine Richtung vorgeben, auf die sie sich einpendeln können. Ich lehre Führung ohne viel Spektakel – im Norden schnacken wir nicht viel. Grenzen und Freiheit. Mehr Respekt vor einem Lebewesen gibt es für mich nicht.

    Ich bin seit vielen Jahren als „Rudelführerin“ mit verschiedenen Hunden unterwegs. Meine eigenen – Fremdhunde, die neue Dinge lernen müssen oder eine Auszeit brauchen. Ich norde ein. Aber nicht die Hunde. Die können alles. Ihre Menschen müssen viel lernen und dabei eine Menge Unfug über Bord werfen. Jeder Hund, der ein paar Schritte neben mir lief, hat mir mehr beigebracht, als alle Bücher der Welt es je können. Dafür bin ich dankbar. Das gebe ich zurück.