? Denkanstöße für Dich und Deinen Hund von A – Z.

Heutige: B wie Balljunkie

Wenn ich mit meinem Rudel durch den Wald laufe und mir ein Hund entgegenkommt, der nichts anderes im Blick hat, als den Ball in den Händen seines Besitzers oder seiner Besitzerin, dann bin ich in Sorge. Dass ein Hund keinerlei Interesse an Hundekontakt hat, nicht einmal die Witterung aufnimmt oder die entgegenkommenden Hunde auch nur kurz ansieht zeigt, wie schnell sich aus einem harmlosen Ballspiel, etwas entwickeln kann, was bei einem Hund zu einer Verhaltensstörung führt.
Der Ball (inklusive Wurfarm) ist zu einer gängigen Methode geworden unsere Hunde „auszulasten“. Leider beobachte ich immer häufiger, dass sich unsere „Balljunkies“ (gerne Terrier & Co.) beim Spielen im Dauerstress befinden. Die Besitzer_innen nehmen einen Hund mit nach Hause, dessen Herz rast und die Zunge am Boden hängt. Das ist keine ausreichende und gesunde Auslastung für einen Hund. Es entsteht ein Suchtverhalten, welches dazu führt, dass ein Hund immer schwerer ein ruhiges und ausgeglichenes Verhalten aufrufen kann (und wir wundern uns dann darüber). Für uns ist es ein Ballspiel, aus Sicht des Hundes ist es „Hetzen“. Dies ist nicht weiter verwerflich, weil es einem natürlichen Verhalten gleicht und so auch Stress abgebaut werden kann, wenn man es richtig nutzt. Es kommt eben auf das WIE an.
Als Tipp für alle, die dieses Verhalten bei ihrem Hund beobachten. Schluss mit exzessivem Ballwerfen (oder Stöckchen etc.) stattdessen kurze Trainingseinheiten mit Nasenarbeit, Suchspiele und Intelligenzspiele oder Obedience Training.
Beispiel: Ihr habt den Hund ja schon „auf den Ball“ trainiert – statt ihn zu werfen, versteckt ihn, lasst den Hund den Ball suchen. Er muss an einem Ort warten, bis ihr den Ball versteckt habt. Da habt ihr gleich das Training im Training. Er soll euch den Ball bringen. Apportier-Training also ebenfalls inklusive. Als oberste Regel aber gilt: Ruhe. Pausen machen, den Hund neben euch auch wieder „runterholen“. Ihr beendet das Spiel und dann ist der Ball auch in der Tasche verschwunden.
Wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr euren Hund dieses Verhalten alleine nicht mehr abtrainieren könnt, wendet euch an ausgebildete Hundetrainer_innen. Nach meiner Erfahrung braucht es häufig nur 1 – 2 Einheiten, um in euch eigene Ideen für eine gute Alternative hinsichtlich der Auslastung zu wecken. ?